Ich kannte Melanie bislang tatsächlich nur flüchtig und wir haben einen wunderbaren Nachmittag und Abend miteinander verbracht. Sie widmete mir ihre Zeit, um meine Dreads nach zu häkeln und ich ergriff natürlich die Gelegenheit beim Schopfe.

Ich hatte über das ganze Gespräch eine Gänsehaut. Melanie weiß genau wer sie ist. Weiß genau, welche Meinung sie vertritt. Sie liebt sich selbst. Und ihre liebsten Menschen noch mehr. Ich bin dankbar, dich so tief kennengelernt zu haben. Melanie erzählt euch ihre spannende Reise, welche sie bislang in ihrem Leben erlebt hat. Und wie ihre Höhen und Tiefen ihre Weiblichkeit und Individualität geprägt haben.

Ich danke dir für diese wunderbaren Stunden, liebe Melanie. Danke für diese offenen Worte und intimen Lebensgeschichten.

1. Wie würdest du dich derzeit am besten beschreiben wollen?

Ich kann mich am besten beschreiben, wenn euch erzähle, warum ich die bin, die ich heute bin. Seit meiner Kindheit bin ich immer absolut ehrgeizig und diszipliniert. Das ist mir die Wiege gelegt worden. Ich hatte eine ziemlich normale Kindheit, außer dass ich durch meine Ausbildung im Pferdebereich mit 16 Jahren an Magersucht und Bulimie erkrankte. Mit 18 Jahren kam leider zusätzlich noch die Diagnose eines Hirntumors dazu. Ich musste früh lernen, meinen Ehrgeiz zu nutzen, um überhaupt klar zu kommen. Durch meine Familie und Freunde habe ich so viel Unterstützung in dieser Zeit erfahren und möchte dies nun unbedingt weitergeben.  Durch meine Diagnosen habe ich eine ganz andere Wertschätzung für das Leben und den Tod für mich definiert. Ich bin im absoluten Hier und Jetzt.

Gleichzeitig möchte ich es gern immer allen Recht machen. Alle Freunde gleichzeitig wahrnehmen und für alle da sein. Alles richtig machen. Ich lege unglaublich Wert auf das menschliche Miteinander statt meiner eigenen Vorzüge.

Diese ganzen Eigenschaften meines Charakters haben mich vor einigen Jahren in mich gehen lassen, um mich besser zu verstehen. Wie ich mein Leben gestalten möchte. Erstmal habe ich mich wieder auf die Beine gestellt und dann mein Fachabi auf hohem Niveau nachgeholt. Darüber bin ich so stolz. Jetzt gerade befinde mich im zweiten Jahr meiner Fachkraftausbildung zur Altenpflegerin – Hier kann ich alle meinen Kompetenzen und meiner Leidenschaft nachgehen. In der Pflege zu arbeiten, macht mich echt zufrieden. Die Menschen sind so dankbar, für meine Hilfe und Fürsorge.

Achja, nebenbei bin ich noch Dreadqueen im Kleingewerbe auf Spendenbasis. Aus Liebe zu den Dreads.

2. Welches Lebensziel hast du für dich?

Ui, das hat sich in den letzten Jahren seehr geändert. Hättest du mich vor 10 Jahren gefragt, wäre meine Antwort: Reine Selbsterhaltung, ein Leben mit Pferden und überhaupt einen Weg und Sinn im Leben finden.

Aber nachdem ich viel an mir gearbeitet habe und dann ins Fachabi ging, änderten sich meine Absichten. Ich lernte meinen heutigen Freund kennen und wollte mehr. Weil ich merkte, dass ich schlichtweg einfach mehr KANN und ich mehr BIN. Ich möchte meine Ausbildung mit einem Notendurchschnitt unter 2,0 bestehen und dann voll in den Pflegeberuf einsteigen. Ich weiß, ich kann nicht immer am Mensch arbeiten bleiben. Aber ich kann mich dann mit meiner Erfahrung dafür einsetzen, den Pflegeberuf wieder interessanter zu gestalten. Ich kann und werde dafür sorgen, die Menschlichkeit wieder in die Pflege zu bringen und dessen Qualität zu verbessern.

Für mich möchte ich eine liebevolle Familie mit meinem Freund und Kindern. Ich möchte gerne alt werden und am Ende glücklich sein. Da ich selbst auch sehr minimalistisch unterwegs bin, kann ich mir tatsächlich sogar ein kleines, aber feines TinyHouse vorstellen. Wir werden sehen,

3. Wie würdest du den Begriff „Weiblichkeit“ beschreiben?

Das typisch Weibliche kenne ich so nicht. Ich habe mich selbst auch nie als besonders „weiblich“ gesehen. Aber ich war und bin auch nicht der klassische „Frauentyp“. Eigentlich hatte ich auch immer mehr Männerfreundschaften. Ich verstehe mich mit den Jungs einfach besser.

Als ich damals mehr Gewicht auf den Rippen und mehr Rundungen auf der Hüfte hatte, habe ich mich auch nicht weiblicher gefühlt als mit meinem relativ geringen Gewicht jetzt. Meiner Meinung nach spielt es für Weiblichkeit auch keine Rolle. Es geht eher darum, mit sich selbst im Reinen zu sein. Und halt auch mal nicht. Es geht um dein Selbstbewusstsein und deine eigene gewisse Ausstrahlung, die nicht an die Gesellschaftsnorm und dessen körperlichen Vorgaben angepasst sind. Selbst eine Frau, die als Bauarbeiterin arbeitet, ist verdammt sexy und weiblich. Jede Frau und auch jeder Mann haben etwas Attraktives und Wunderschönes an sich. Im Innen und Außen. Denn Schönheit ist nicht ausschließlich dein Äußeres.

4. Welche Änderungen würdest du an deinem Körper vornehmen, wenn du könntest?

Ich würde gar nichts ändern wollen. Ich bin so froh, einfach Gesund zu sein. Und mit meinem körperlichen Äußeren bin ich sehr zufrieden. Nach meiner Lebensgeschichte könnt ihr mich sicherlich verstehen. Mein Körper hat so gelitten unter meinen Erkrankungen, dass ich mich mehr als eine funktionierende Gesundheit nicht wünschen kann. Ich habe durch eine Nickel- und Nylonallergie an der ein oder andere Stelle Entzündungen, welche mich ein wenig belasten. Das gibt mir manchmal ein blödes Körpergefühl. Aber auch das vergeht.

Naja, ganz ehrlich? Ich habe mir vor einigen Monaten meine Dreads rausgekämmt. Und ich vermisse sich so sehr, dass sie mir ganz bald zurückwünsche.

5. Warum glaubst du, dass eine ausgewogene Ernährung und Vitaltraining deine Weiblichkeit stärken könnten?

Vorne weg:  Meine Magersucht und Bulimie entstanden nicht dadurch, dass ich für die Gesellschaft die perfekte Figur erreichen wollte. Es ging mir immer um das Gewicht, das ich halte musste, um leicht genug für mein Rennpferd zu sein. Die krasse Gewichtsabnahme geschah an sich unbeabsichtigt und unbemerkt. Ich hatte irgendwann einfach so starke körperliche Probleme, dass meine Familie nicht mehr zugesehen und mich in psychische Betreuung gegeben hat. Das Beste, was sie damals machen konnten. Ich bin ihnen so unendlich dankbar. Dort habe ich nämlich gelernt, wie ich mit meiner Ernährung auf meine Gesundheit einwirken kann. Ich habe gelernt, wie wichtig meine Gesundheit ist. Sie steht einfach über allem. Über der Gesellschaftsnorm. Über dem „perfekten“ Aussehen.

Eine ausgewogene Ernährung und ein gutes Vitaltraining sind für mich in erster Linie wichtig für mich. Weiblichkeit ist für mich tatsächlich zweitrangig.

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